NESTERVALS NIBELUNGEN: Ein Labor für kollektives Zukunftsdenken
Wir stecken mitten in der Klimakrise. Laut Planetary Health Check des Potsdam-Instituts sind sieben von neun planetaren Grenzen überschritten – die Menschheit verlässt ihren sicheren Handlungsraum. David Holmgren, neben Bill Mollison der Mitbegründer des 1978 erstmals veröffentlichten Permakulturkonzepts, warnt gar vor einer „Zivilisations-Triage“ nach dem Ende fossiler Energien. Doch welche Werte gelten in einer postkapitalistischen Welt? Können alte Erzählungen wie das Nibelungenlied Orientierung bieten? NESTERVALS NIBELUNGEN untersucht diese Frage in zwei parallel erzählten Produktionen: DONAUGOLD (brut Wien) und WALLDEN (Wiener Festwochen | Freie Republik Wien). Als dezentrale Theaterproduktion zeigen sie im Mai/Juni 2026 an zwei Spielorten, wie unterschiedliche Gruppen nach dem globalen Kollaps überleben: in der abgeschotteten Gated Community oder im radikalen Rückzug in die Natur. Literarische Bezüge (Saramago, Thoreau) treffen auf aktuelle klimapolitische Thesen (u.a. Club of Rome). Ergänzend entsteht ein dreiteiliges Vermittlungsprojekt für 100 Lehrlinge. Für die Zusammenarbeit konnte Nesterval heuer das Forum Umweltbildung gewinnen.
In einem ersten Einführungsworkshop mit Mitgliedern des Nesterval-Ensembles erfahren die Berufsschüler*innen mehr über den Werdegang Nestervals und was ein Besuch bei einem immersiven Theaterstück bedeutet. Darüberhinaus wird der Fokus auf den Inhalt der Theaterproduktion, die Entscheidungsfrage sowie die literarischen Bezugspunkte gelegt. Im Zentrum beider Stücke steht die Gegenüberstellung zweier Lebensentwürfe, zweier Haltungen, zweier Welten – als Spiegelungen ein und desselben Menschheitsproblems, als Visionen und Möglichkeiten für die Zukunft. Im zweiten Teil des Projekts besuchen die Berufsschüler*innen die Theatervorstellung und tauchen direkt in das Geschehen ein.
Die Theaterabende folgen dabei, bewährt immersiv, einem weitgehend identischen dramaturgischen Ablauf, spiegeln zentrale Szenen, Figurenkonstellationen und Motive wider und widmen sich der zentrale Frage: Wie wollen wir als Gesellschaft die Zukunft gestalten? Doch was in WALLDEN möglicherweise gelingt, scheitert in DONAUGOLD – und umgekehrt. Eine neue Nibelungensaga für eine Zivilisation am Scheideweg. Ein Theaterstück als Labor für kollektives Zukunftsdenken.
Wenige Tage nach dem Vorstellungsbesuch besucht Nesterval zusammen mit Mitarbeiterinnen des Forum Umweltbildung die Klassen und vertieft die Materie: Wann wird Wasser zum eigentlichen Gold? Wann wird der Ring der Nibelungen eine Quelle, die es zu bewahren gilt? Und wie lange reichen unsere Ressourcen tatsächlich noch aus? Um die Angst vor der Klimakatastrophe zu unterbinden, wird in einem interaktiven Workshop-Setting Fokus auf die Reflexion der in den Theaterstücken aufgeworfenen Zukunfts- und Nachhaltigkeitsthemen sowie auf mögliche Handlungsperspektiven im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung gelegt.
Eine Zusammenarbeit mit mehreren Klassen der Berufsschule für Frisur und Maskenbild, Scheydgasse; der Berufsschule für Gartenbau und Floristik – zukunftgestalten.wien; der Berufsschule für Verwaltungsberufe, Embelgasse. Das Vermittlungsangebot für Wiener Berufsschüler*innen ist ein Kooperationsprojekt mit dem OeAD – Kulturvermittlung mit Schulen und der Basis.Kultur.Wien – GO.FOR.CULTURE, im Rahmen der Reihe K3-PROJEKTE. Kulturvermittlung mit Lehrlingen und fällt zum Großteil in die UNESCO Culture and Arts Education Week (25-31 May 2026).



