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Nestervals Nibelungen – Donaugold

Sujet-Donaugold

Fotografie: Alexandra Thompson

DONAUGOLD

PREMIERE 17. Mai 2026 
SPIELORT brut nordwest, Nordwestbahnstraße 8–10, 1200 Wien
KOPRODUKTION brut Wien
SPIELTERMINE 18. Mai bis 6. Juni

Donaugold – die Handlung
Wien, 12. Mai 2044. Die Festung Donaugold, die vermeintlich letzte zivilisierte Bastion inmitten von Chaos und Untergang; öffnet ihre Tore einer kleinen Zahl auserwählter Überlebender, um Einzelnen von ihnen Schutz und eine gesicherte Versorgung zu ermöglichen – im Gegenzug für ihre Arbeitskraft als so genannte „Heloten”. Das Prinzip ist einfach: Man kennt seinen Platz, hält sich an vorgegebene Regeln und – was am wichtigsten ist – stellt das System nicht in Frage. 

Es ist auch der Tag des jährlichen Opferfestes, zu Ehren von Erda abgehalten, damit sie Donaugold weiterhin schützt und den Zugang zu einer der letzten sauberen Wasserquellen garantiert. Hierfür fordert die Göttin jedes Jahr ein Menschenopfer aus der Reihe der Elite, welches sie deren Anführerin Krimhild in einem Traum offenbart. Doch diese sieht ihren eigenen Tod und beschließt kurzerhand, dass nur eine Lüge sie retten kann:

So fällt die letzte, größte Ehre, sich in Ekstase und Drogenrausch in den Tod zu tanzen, auf Sigmund. Nach der Verkündung gebietet es die Tradition, dass sich zum einen alle auf das große Fest vorbereiten, zum anderen bei der diesjährigen Helotenanwärter-Beschau geeignete Heloten zu finden und die eigenen Favoriten auszusuchen. Allerdings hat sich dieses Jahr mit den ausgewählten Helotenanwärtern auch ein Unbefugter in Donaugold eingeschlichen: Der ehemalige Walkür Roßweiße – von Erda aus Wallden geschickt, um seinen Bruder Watraude zur Heimkehr zu bewegen. Das lückenlose Überwachungssystem Donaugolds findet den Eindringling und führt ihn seiner Strafe zu. Aber anstatt nur verbannt zu werden, geht Krimhild neue Wege: Sie lässt den Einbrecher kurzerhand hängen. Etwas hat sich im System Donaugold verändert. Diese Unterbrechung im gewohnten Ablauf lässt erstmals Zweifel am System „Krimhild” laut werden.

Sigmund hadert zwar mit seinem Schicksal, aber er vermutet in seinem Opfer die gerechte Strafe dafür, dass er im Auftrag Krimhild die ursprüngliche Herrscherin Donaugolds, Donner, mit Soma vergiftet und damit gestürzt hat. Nur auf Drängen seiner Schwester (und Geliebten) Siglinde sucht er dennoch nach möglichen Auswegen und bittet er das Orakel um Hilfe, und tatsächlich gibt es eine Möglichkeit, den heutigen Abend zu überleben: Drei Flammen müssen erlöschen, damit Sigmund nicht sterben muss. Drei Leben für eines, ist sein Leben das wert?

Währenddessen beginnt Giselher, Bruder und treuer Unterstützer Krimhilds und ihres Systems, an der Rechtmäßigkeit des diesjährigen Traumes zu zweifeln. Waren es bisher immer drei Strophen, aus denen der Traum interpretiert wurde, sind es heuer nur zwei. Haben bisher er und seine Brüder Gunther und Gernot oder die Donautöchter Krimhild bei der Deutung unterstützt, so hat sie heuer erstmals ohne deren Rat den Traum ausgelegt. Als Giselher von Sigmunds Prophezeiung erfährt, beginnt er seine eigenen Schlüsse zu ziehen – bis hin zur Einsicht, dass, um Donaugold zu retten, er sich auch mit seinem Bruder Gunther selbst opfern würde, um keine Unschuldigen sterben zu lassen.

Für Andere ist die Frage, wer sich opfern darf, nicht von Bedeutung, solange Erdas Schutz erhalten bleibt und diese Ehre nicht sie selbst trifft.
Aber die Unruhe nach der Hinrichtung Roßweißens und das zunehmende Flüstern über einen möglichen Sturz Krimhilds lassen so manche von üblichen Routinen abweichen und eigene Ziele verfolgen:
Alberich sieht seine Chance gekommen, von den Donautöchtern eine Schuld einzutreiben: Er hat für ihre Plätze in Donaugold bezahlt, dafür muss sich eine von ihnen ihm hingeben. Ein vermeintlich unbezahlbarer Preis, würde durch den Verlust der Jungfräulichkeit doch ihr Band als Schwestern zerreißen, so die Annahme. Alle drei beginnen, ihre eigenen Intrigen zu spinnen, um nicht diejenige zu sein, die diese Schuld begleichen muss. Woglinde wollte ohnehin nie nach Donaugold, sondern nach Wallden. Floßhilde, die Hohepriesterin, hat den Handel eingefädelt und damit ihren Beitrag schon geleistet. Und Wellgunde - als jüngste und vermeintlich schwächste unter den Schwestern erkennt, dass die Wahl wohl auf sie fallen wird, und sie macht sich bereit, sich Alberich zu opfern. Als Floßhilde Alberich über diese Entscheidung informieren will erkennt sie, dass Wellgunde daran zerbrechen würde und beschließt deswegen, dieses Opfer selbst auf sich zu nehmen um am Ende gemeinsam mit den Schwestern zu erkennen, dass dieses Opfer nichts an ihrem Band der Schwesternschaft verändert hat.

Mime, in Donaugold von ihrem Bruder Alberich zu einem Leben in der Prostitution gezwungen, sieht den Moment günstig, eine eigentlich verbotene Schwangerschaft vielleicht doch schützen zu können. Erfolglos sucht sie Unterstützung bei potenziellen Vätern, muss aber erkennen, dass sich in Donaugold wirklich niemand für eine mögliche Zukunft interessiert – bis sie schließlich durch einen tragischen Unfall die frisch gekeimte Hoffnung bei einer Fehlgeburt verliert.

Wieder andere schenken all dem keine Beachtung, weil sie zwischen dem großen Ganzen eigentlich nur mit dem eigenen Schicksal beschäftigt sind.
Waltraude rettet seinen Bruder Roßweiße im Verborgenen und beantwortet für sich die Frage, ob seine Schuld für den Mord an seinem anderem Bruder Sigrune vielleicht nach Jahren der Qual in Donaugold nun endlich getilgt ist. Er beschließt, die Anlage noch vor dem großen Opferfest zu verlassen.
Freia befreit sich vom manischen Versuch, an ihrer göttlichen Schönheit und Jugend festzuhalten. Fafner, ihr Mann, verspricht ihr zu Beginn des Abends noch ein Elixier, das sie wieder jung werden lässt, wenn sie sie dafür bereit ist, ihre eigene Schwester Donner zu quälen und zu demütigen. Aber wie bei so vielem verkauft Fafner nur heiße Luft und endet am Ende selbst auf der untersten Ebene der Hierarchie. Freia kehrt mit Hilfe Lokis Donaugold und seinem System, in dem Frauen keinen anderen als einen äußeren Wert haben, den Rücken.

Und am Rande des ganzen stehen Donner und Loki. Die Eine – hoffnungslos hängen geblieben auf Soma und in ihrer eigenen Welt gefangen; der Andere eifrig am spinnen und zündeln, ohne konkretem Ziel, einfach nur, um das System und alle seine Stützen zum Einsturz zu bringen.

Ute, Mutter der Gibbichungen und selbst von ihrer Tochter Krimhild zur Hure degradiert, lenkt ihre Kinder noch immer im Stillen: Giselher führt sie ohne dass er es bemerkt in die Rolle der Opposition, Krimhild lenkt sie in die Einsicht, dass sie selbst es ist, die sterben muss.

So kommt es am Ende zu einem Opferfest, an dem manche nicht einmal mehr teilnehmen, während andere Krimhild keine Wahl mehr lassen als sich schließlich selbst zu opfern – ganz so wie es Erda im Traum verlangt hatte. Das System „Krimhild” ist gestürzt, was weiter passiert, muss erst geklärt werden. Neue Heloten braucht es jedenfalls vorerst nicht.
„Wir wollen nicht belehren“: Interview mit Martin Finnland und Teresa Löfberg
Martin Finnland und Teresa Löfberg, Nestervals Leading Team, über das NIBELUNGEN-Projekt, die Herausforderung „Zero Waste“ und die Frage, ob sie lieber in Wallden oder Donaugold leben würden.


Die Wiener Festwochen erklären sich dieses Jahr zur „Republic of Gods“. In NESTERVALS NIBELUNGEN hat Erda allen Göttinen und Göttern ihre Göttlichkeit entzogen. Das Thema ist also gesetzt – Zufall?
Martin Finnland: Mit den Festwochen waren wir schon länger im Gespräch. Als ich dort die Idee von NESTERVALS NIBELUNGEN erklärt habe, meinten sie, dass 2026 das perfekte Jahr wäre, das Thema würde sehr gut passen. Obwohl sie mir das Thema selbst damals nicht verraten haben.

Was bedeutet für die beiden Stücke und für euch das Ende der Göttlichkeit?
Teresa Löfberg: Einerseits ist ein bisschen ein Spiel damit, dass wir sagen, die Menschen hätten sich in den letzten hundert Jahren zu Göttern und Göttinnen erklärt: Die Funktion, die früher Götter hatten, haben jetzt die Menschen übernommen. Götter gibt es keine mehr! Das war eine der Thesen, die wir vor zwei Jahren in der GÖTTERDÄMMERUNG in der Neuen Staatsoper aufgestellt haben. Damals haben wir untersucht, wie man die Geschichte, die Richard Wagner aufgegriffen hat, noch einmal weitererzählen und neu denken kann. Jetzt wollten wir die Göttinnen und Götter vor eine neue Herausforderung stellen.

Wie kam es überhaupt dazu, dass sich Nesterval nach der GÖTTERDÄMMERUNG erneut an dieser Wagner-Geschichte abarbeitet?
Teresa Löfberg: Das Interesse war groß, den Stoff der Nibelungen zu bearbeiten. Wer sich mit den Nibelungen beschäftigt, ist halt schnell bei Richard Wagner.
Martin Finnland: Und auch schnell wieder weg!

„Time for new gods“ fordern die Festwochen – wer könnten nach Wotan und Co. die neuen Gött*innen sein?
Teresa Löfberg: Die Menschen. Oder, was wir ja auch andeuten, künstliche Intelligenz.
Martin Finnland: Ich widerspreche und behaupte, dass die Natur die neue Gottheit ist, an die wir glauben. Oder glauben müssen. Selbst wenn es Erda am Ende von WALLDEN nicht mehr gibt.
Teresa Löfberg: Wir stellen ja auch die Frage, ob es so einfach funktioniert, dass Menschen sich zu Gött*innen erhoben haben.

Was hat es damit auf sich, dass beide NIBELUNGEN-Stücke gleichzeitig an unterschiedlichen Orten stattfinden? Erzählt ihr die selbe Geschichte mit unterschiedlichen Bedingungen?
Martin Finnland: Dem liegen wissenschaftliche Studien zugrunde. Der Permakultur-Forscher David Holmgren sagt, dass die Zukunft der Menschheit entweder in einer absoluten Rückbesinnung liegt, also zurück zur Natur und einem Leben mit den Ressourcen, die wir haben. Oder genau in die andere Richtung gehen wird: Lifeboats, wo man einfach die letzten Ressourcen verschwendet weil man nicht mehr an das Morgen glaubt. Als ich mich mit dem Thema befasst habe war mir klar, dass es unmöglich sein wird, beide Inhalte in ein Stück zu bekommen. Daraus ist dann die Idee entstanden, zwei Stücke zum selben Thema aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven durchzudenken.
Teresa Löfberg: Wir wollten ausprobieren, was im System WALLDEN gelingt und in DONAUGOLD nicht. Und umgekehrt. Vor allem die Struktur beider Stücke ist gespiegelt.

Beide Stücke spielen auch in naher Zukunft; 2044 ist ja nicht so weit weg. Wieso wurde es kein Science Fiction?
Martin Finnland: Die Diskussion hatten wir tatsächlich. Teresa war für das Jahr 2144. Für mich ist aber die Dringlichkeit so stark gegeben. Die Frage lautet nicht, ob das alles irgendwann einmal passiert, sondern dass es passiert. Wir müssen es fürs Publikum real greifbar in eine Zeit legen, die wir hoffentlich alle noch erleben werden.

Die NIBELUNGEN-Stücke WALLDEN und vor allem DONAUGOLD sind vom World Building her selbst für Nesterval-Verhältnisse extrem düster. Was soll das Publikum aus dieser Dystopie mitnehmen?
Teresa Löfberg: Wir wollen nicht belehren. Wir wollen dem Publikum zwei Varianten geben und die Frage stellen: Wo würdet ihr euch da positionieren, für welches System würdet ihr euch entscheiden?

„Es gibt keinen Abfall“, lautet eines der Gebote Erdas in WALLDEN. Verzicht, Recycling oder Schonung von Ressourcen wird nicht nur gespielt, es hat auch Bedeutung in der Produktion. Wieso ist euch „Zero Waste“ im Theater so wichtig? Hat es funktioniert?
Martin Finnland: Für eine Off-Theater-Produktion ist es natürlich leicht zu sagen, man sei „Zero Waste“ – einfach weil wir gar nicht das Geld hätten, alles neu zu produzieren und nach der Derniere fortzukübeln. Diesmal sind wir aber schon einen Schritt weiter gegangen. Bei den großen Anschaffungen gab es immer die Überlegung, wenn wir das neu kaufen, was passiert danach damit. Die Zelte zum Beispiel verkaufen wir und geben sie weiter. Der größte Teil der Ausstattung kommt von Flohmärkten oder Willhaben. Ressourcen sind endlich. Aber wir sind natürlich auch mit der „Zero Waste“-Produktion gescheitert, als die erste Person mit einem Coffee-to-go-Becher ins Areal gekommen ist.
Teresa Löfberg: Die Diskussionen im Vorfeld haben uns bewusst gemacht, in was für einer Überflussgesellschaft Kunst produziert wird. Und wie man Abstriche machen muss.

Nesterval-Fans lieben es, Stücke öfter zu besuchen. Ihr empfehlt dem Publikum diesmal, sich beide Teile der NIBELUNGEN nur ein einziges Mal anzusehen. Warum?
Martin Finnland: Wie in keinem anderen Stück geht es diesmal darum, eine Momentaufnahme zu bekommen. Wir haben Gäste die versuchen, Stücke komplett zu sehen und aufzunehmen. Hier passiert viel mit Mystik, mit Zaubereien und Gerüchten. Genau wie es ein Experiment ist, zwei Stücke gleichzeitig zu inszenieren und zu spielen, ist es auch der Versuch, eine Geschichte so zu erzählen, dass sie einmalig ist. Das Publikum soll das Gefühl bekommen, der Hauptgeschichte gefolgt zu sein. Vieles bleibt dabei auch im Dunkeln.

Bei diesen Produktionen gibt es keine Applaus-Situation. Wie werden die Schauspieler*innen damit umgehen, dass es das „inoffizielle Publikumsgespräch“, dass ihr sonst so gerne sucht, diesmal nicht gibt?
Martin Finnland: Ich sehe uns schon uns selbst applaudieren. Weil wir lieben den Applaus.

Bei den NAMENLOSEN gab es während der ersten Testläufe schon einmal den Versuch, den Applaus wegzulassen. Damals habt ihr festgestellt, dass man so ein Stück nicht so beenden kann …
Teresa Löfberg: Das war dem Thema geschuldet, dass man mit dem Unfassbaren, der Geschichte nicht so enden konnte. Im Gegensatz zu den NAMENLOSEN ist das Klima-Thema jetzt eine künstlerische Überspitzung.
Martin Finnland: Die NIBELUNGEN spielen wir in sehr kurzer Zeit sehr oft. Wir gehen nochmal ganz anders in die Charaktere rein und müssen mit denen drei Wochen lang leben. Das ist anstrengend, bringt uns aber auch dazu, dass wir unsere eigenen Ressourcen schonen müssen. Wer sechs Mal die Woche drei Stunden lang spielt, kann nicht noch zwei Stunden nach jeder Vorstellung Publikumsgespräche führen. So gern wir das sonst machen. Es wird uns aber auch helfen, in den Charakteren zu bleiben, weil wir sie nicht brechen müssen.

Die WALLDEN-Cast spielt nicht nur die Gemeinschaft, die Schauspieler*innen übernachten während der Spielserie auch in den Zelten und auf dem Gelände im Augarten. Was steckt da für eine Idee dahinter, im Set zu leben?
Martin Finnland: Wir stellen hier eine Ausnahmesituation dar. So können wir das, was wir hier miteinander am Tag erleben, abends glaubhaft vermitteln. Wir bespielen unseren Lebens- und Wohnraum. Es macht einen Unterschied, ob wir die Gäste in unsere privaten Wohnräume einladen, oder ob wie nach der Show die Spielstätte wieder verlassen. Achtsamkeit wird da ganz wichtig.

Wieso darf die DONAUGOLD-Cast nicht im Bunker wohnen?
Teresa Löfberg: Da ist die Situation schon ganz anders. Dort sind die Wohnräume aber auch nicht sichtbar. Die Figuren von DONAUGOLD halten sich nur in Repräsentationsräumen auf.
Martin Finnland: Es gibt aber auch einen sehr realen Hintergrund. Unser Ensemble besteht nicht nur aus Schauspieler*innen, die 24 Stunden am Tag Zeit haben in einem Stück zu leben. Wir haben zum Beispiel auch Eltern im Ensemble, die Kindern am nächsten Tag in die Schule bringen. Oder Schauspieler*innen die noch andere Jobs haben. Die komplett außen vor zu lassen, wäre nicht Nesterval.

Wien im Jahr 2044 – wo würdet ihr lieber leben: in Wallden oder in Donaugold?
Martin Finnland: In Wallden. Lieber die Sekte als der Luxus.
Teresa Löfberg: Im Wald. Das Leben mit der Natur würde ich immer dem Leben fern von der Natur vorziehen.
Dystopie/Utopie: In was für einer Welt spielen wir eigentlich?
Die Handlung von Nestervals Nibelungen ist angesiedelt in einer näheren Zukunft: Nach dem vierten großen Black-Out im Jahr 2032 war klar, dass die Welt und deren Ordnung, wie wir sie gekannt hatten, endgültig Geschichte war. Im ersten Wiener Wasserkrieg (um 2037) wollten sich die einstigen Bundesländer Steiermark und Niederösterreich die Wasserrechte an der Hochquellwasserleitung und der, zu dieser Zeit kaum mehr vorhandenen, Donau erkämpfen. Tirol und Vorarlberg unterstützen Wien aus Angst vor den Wasser-Flüchtlingen. Den zweiten Wasserkrieg 2039 verlor Wien jedoch. 
Wasser ist das neue Gold! 
Die Republik Österreich ist ebenso Geschichte wie das Friedensprojekt Europa. Das Ende der Technologie ist so gut wie vollzogen, nachdem Satelliten und Telekommunikationsnetze fast komplett ausgefallen sind bzw. in der Hand von Privatunternehmen liegen. Sie stehen nur noch einer wohlhabenden Elite zur Verfügung. Aber nicht nur in Wien, sondern weltweit kam der große Umbruch: Ab 2029 nahmen die Ölreserven der Welt rapide ab (Peak Oil und Energy Decent). Wenn damit auch der Emissionsausstoß zurückging, so war der „Point of No Return” längst überschritten. Der Temperaturanstieg und die Veränderung der Ökosysteme sorgten für das Massenaussterben von Tierarten. Hungersnöte, Epidemien und Naturkatastrophen führten, durch wachsende Migration, zu zahlreichen gewaltsamen Konflikten und Kampfhandlungen. Die Weltpopulation war ab 2036 aufgrund der Klimakatastrophen drastisch auf unter eine Milliarde gesunken. Ein Leben ohne Internet, ohne Globalisierung und beinahe ohne Strom war angebrochen. Hitzesommer folgten auf Dürrewinter. Aber wer sollte die Macht über das letzte Wasser bekommen? Was Mythos war, wurde wieder neue Realität. Die Figuren sind dieselben, aber wie geht es diesmal aus? Denn wie Odo Marquard meinte: Die Menschen haben sich vom Schicksal verabschiedet. Sie haben die Fäden der Nornen in ihre Hände genommen.
Nach der Götterdämmerung ist vor Donaugold
Grundlage der Nibelungen-Fortschreibungen Donaugold und Wallden ist Nestervals Götterdämmerung. Was bisher geschah: Die Nornen nehmen 2038 ihr Seil des Schicksals wieder auf, doch es reißt – die Zukunft ist nicht mehr lesbar. Erda, Göttin und Mutter des Planeten, zieht sich zurück und überlässt die Menschen ihrem Schicksal. Gött*innen wie Wotan oder Donner versprechen zwar, sich nicht einzumischen – brechen dieses Versprechen aber sofort. Im Zentrum steht der Ring, der Zugang zur letzten Wasserquelle gewährt. Der junge Aktivist Sigfrid besitzt ihn und vertraut ihn seinem Geliebten Brünhild an. Doch verschiedene Gruppen – Göttinnen, Politiker*innen, Donautöchter – versuchen, Sigfrid oder den Ring für sich zu gewinnen, um ihn entweder für einen Elitebunker namens Donaugold oder ein Ressort namens Wallden als Quelle nutzen zu können. 
Sigfrid wird von Hagen und Mime mit einem Vergessenszauber manipuliert, vergisst Brünhild und unterzeichnet einen Ehevertrag mit Krimhild. Später betrügt er Brünhild ein weiteres Mal durch die Hochzeit mit Gunther und die Abnahme des Rings. Aus Rache verrät Brünhild seine Schwachstelle; beim „Donner, Wetter, Blitz”-Spiel ermordet Hagen Sigfrid. Am Ende sollen die Menschen entscheiden, wie sie leben wollen: in Einfachheit mit der Natur in Wallden oder im Elite-System Donaugold. Als alles entschieden scheint, gibt Brünhild den Ring an seine Mutter Erda zurück. Diese erweckt Sigfrid aus Liebe wieder zum Leben – und nimmt allen Gött*innen und Halbgött*innen (außer sich selbst) ihre Unsterblichkeit.
Vom Ende der Göttlichkeit
Es war der Tag nach Sigfrids Auferstehung, an dem Erda beschlossen hat, dass sich etwas ändern muss und sie die Hände erhob; ein Moment, der still begonnen und alles verändert hat. Die Gött*innen, die sich bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend in Walhall aufhielten, spürten, wie etwas in ihnen erlosch – nicht langsam, sondern wie bei einem Lichtschalter, der einfach ausgeknipst wird. Die Verbindung, aus der ihre göttliche Kraft kam, war plötzlich weg. Kein Übergang, kein Vorzeichen. Sobald die Göttlichkeit weg war, wurden sie aus Walhall heraus katapultiert. Vor allem Fricka und Froh haben sich in Walhall sehr gern aufgehalten und eine tiefe Beziehung aufgebaut. Froh nahm an, dass ihre drei Töchter nach Wallden gingen. Als sie sie dort nicht antraf, plagte sie wie die anderen ehemalige Gött*innen eine anfängliche Depression. Manche verkrafteten den Verlust besser als andere. Für sie fühlte es sich an, als würde etwas aus ihrem Innersten herausgerissen. Ein körperlicher Schmerz, roh und unkontrollierbar, wie Wehen, die nicht enden, oder ein Todesschreck, der den ganzen Körper packt. Und dann eine tiefe Leere, ein Verstummen, wo früher Macht und Gewissheit waren. Spätestens nach Sigrunes Tod war das Ende der Göttlichkeit klar.
 Manche versanken in ein langes Weinen, manche in Depressionen. Die Wenigsten nahmen es als Erleichterung, plötzlich Mensch zu sein. Nur die, bei denen es am wenigsten schmerzhaft war, zweifelten danach noch, dass sie nun nicht mehr göttlich und unsterblich waren.
NESTERVALS NIBELUNGEN: Ein Labor für kollektives Zukunftsdenken
Wir stecken mitten in der Klimakrise. Laut Planetary Health Check des Potsdam-Instituts sind sieben von neun planetaren Grenzen überschritten – die Menschheit verlässt ihren sicheren Handlungsraum. David Holmgren, neben Bill Mollison der Mitbegründer des 1978 erstmals veröffentlichten Permakulturkonzepts, warnt gar vor einer „Zivilisations-Triage“ nach dem Ende fossiler Energien. Doch welche Werte gelten in einer postkapitalistischen Welt? Können alte Erzählungen wie das Nibelungenlied Orientierung bieten? NESTERVALS NIBELUNGEN untersucht diese Frage in zwei parallel erzählten Produktionen: DONAUGOLD (brut Wien) und WALLDEN (Wiener Festwochen | Freie Republik Wien). Als dezentrale Theaterproduktion zeigen sie im Mai/Juni 2026 an zwei Spielorten, wie unterschiedliche Gruppen nach dem globalen Kollaps überleben: in der abgeschotteten Gated Community oder im radikalen Rückzug in die Natur. Literarische Bezüge (Saramago, Thoreau) treffen auf aktuelle klimapolitische Thesen (u.a. Club of Rome). Ergänzend entsteht ein dreiteiliges Vermittlungsprojekt für 100 Lehrlinge. Für die Zusammenarbeit konnte Nesterval heuer das Forum Umweltbildung gewinnen. 
In einem ersten Einführungsworkshop mit Mitgliedern des Nesterval-Ensembles erfahren die Berufsschüler*innen mehr über den Werdegang Nestervals und was ein Besuch bei einem immersiven Theaterstück bedeutet. Darüberhinaus wird der Fokus auf den Inhalt der Theaterproduktion, die Entscheidungsfrage sowie die literarischen Bezugspunkte gelegt. Im Zentrum beider Stücke steht die Gegenüberstellung zweier Lebensentwürfe, zweier Haltungen, zweier Welten – als Spiegelungen ein und desselben Menschheitsproblems, als Visionen und Möglichkeiten für die Zukunft. Im zweiten Teil des Projekts besuchen die Berufsschüler*innen die Theatervorstellung und tauchen direkt in das Geschehen ein.

Die Theaterabende folgen dabei, bewährt immersiv, einem weitgehend identischen dramaturgischen Ablauf, spiegeln zentrale Szenen, Figurenkonstellationen und Motive wider und widmen sich der zentrale Frage: Wie wollen wir als Gesellschaft die Zukunft gestalten? Doch was in WALLDEN möglicherweise gelingt, scheitert in DONAUGOLD – und umgekehrt. Eine neue Nibelungensaga für eine Zivilisation am Scheideweg. Ein Theaterstück als Labor für kollektives Zukunftsdenken.
Wenige Tage nach dem Vorstellungsbesuch besucht Nesterval zusammen mit Mitarbeiterinnen des Forum Umweltbildung die Klassen und vertieft die Materie: Wann wird Wasser zum eigentlichen Gold? Wann wird der Ring der Nibelungen eine Quelle, die es zu bewahren gilt? Und wie lange reichen unsere Ressourcen tatsächlich noch aus? Um die Angst vor der Klimakatastrophe zu unterbinden, wird in einem interaktiven Workshop-Setting Fokus auf die Reflexion der in den Theaterstücken aufgeworfenen Zukunfts- und Nachhaltigkeitsthemen sowie auf mögliche Handlungsperspektiven im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung gelegt.

Eine Zusammenarbeit mit mehreren Klassen der Berufsschule für Frisur und Maskenbild, Scheydgasse; der Berufsschule für Gartenbau und Floristik – zukunftgestalten.wien; der Berufsschule für Verwaltungsberufe, Embelgasse. Das Vermittlungsangebot für Wiener Berufsschüler*innen ist ein Kooperationsprojekt mit dem OeAD – Kulturvermittlung mit Schulen und der Basis.Kultur.Wien – GO.FOR.CULTURE, im Rahmen der Reihe K3-PROJEKTE. Kulturvermittlung mit Lehrlingen und fällt zum Großteil in die UNESCO Culture and Arts Education Week (25-31 May 2026).
Über Nesterval
Das immersive Theater-Ensemble Nesterval, 2011 von Martin Finnland und Teresa Löfberg gegründet, versteht sich als queeres Volkstheater, das Klassiker der Literatur-, Kino- oder Theatergeschichte in die Gegenwart übersetzt, überzeichnet und dekonstruiert. Im Zentrum jeder Inszenierung stehen die Lust am Spiel, das Schaffen eines theatralen Erlebnisraums, das Einbeziehen des Publikums durch Interaktion und die Setzung einer politischen Dimension, wodurch gesellschaftspolitische Fragen aufgeworfen und verhandelt werden.
Ihre Stücke basieren stets auf epochalen Erlebnissen der fiktiven Familiendynastie Nesterval. Sämtliche der bisher mehr als 30 in Österreich und international gezeigten Produktionen sind ortsspezifisch angelegt und nehmen Bezug auf den kulturellen, sozialen und historischen Hintergrund des jeweiligen Spielorts.
Drei Mal war Nesterval bereits für den Nestroy-Theaterpreis nominiert; zuletzt 2023 für Die Namenlosen, eine Arbeit, die sich mit der Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus auseinandersetzt. 2025 realisierte die Gruppe die Operetten-Adaption Fürst*in Ninetta (Johann Strauss 25) und Nestervals Götterdämmerung an der Neuen Staatsoper. Mit Wallden, der Parallel-Produktion zu Donaugold ist Nesterval heuer zum ersten Mal im Rahmen der Wiener Festwochen | Freie Republik Wien zu erleben.

ENSEMBLE

© Alexandra Thompson für Nesterval


TEAM

Künstlerische Leitung, Konzept & Regie Martin Finnland Co-Regie, Kaufmännische Leitung & Dramaturgie Tove Grün Buch Eva Deutsch, Martin Finnland, Teresa Löfberg, Lorenz Tröbinger Choreographie & Co-Regie Jerôme Knols Szenografie Andrea Konrad Kostüm Sophie Eidenberger Lichtdesign & -technik Johannes Felber Musik Julian Muldoon Musik-Kuratierung Alkis Vlassakakis Dramaturgie Rita Neulinger

Produktionsleitung Sabine Anders Technische Leitung Lukas (Lupo) Saller Setbau Andreas Holzmann und Walter Winkelmüller Regieassistenz Cuqui Espinoza, Marlo Pichler Produktionsassistenz Chiara Seide Szenografieteam Angelika Cech, Mattea Jäger, Gwendoline Wagner, Anna Weiß Kostümassistenz Julia Hörner, Sidi Robol Abendspielleitung Julia Hörner Inspizienz Cuqui Espinoza Techn. Abenddienst Valentin Jahn Kommunikation Christopher Wurmdobler Redaktion Gisa Fellerer Grafik Rita Neulinger Fotografie Alexandra Thompson Archiv und Anträge Martin Walkner Büro und Buchhaltung Doris Panzer

Besonderer Dank an die Freund*innen von Nesterval insbesondere der Obfrau Andrea Lenk, Stv. Obmann Markus Kellner, sowie den Unterstützer*innen Michael Brantner, Richard Comploi-Taupe, Oleg Elkin, Theo Enzelberger, Lukas Erber, Johannes Felber, Martin Hinterndorfer, Andreas Kauba, Kaya Alina Knapp, Philipp Leitenbauer, Julia Polz, Elisabeth Rohr, Sabine Sammer, Christina Schreckenthaler, Maria Sibilia, Matthias Strohmayer, Gerald Timelthaler, Edmund, Sylvia Waldstätten, Tobias Walka und Thomas Zedrosser, sowie René Lipkovich (SLT Siart Lipkowvich & Team), Helmut Patterer (PRBS Patterer e.U.), Nikolaus Vogler (PHKV Rechtsanwälte) und Nikolaus Adler.
Weiters bedanken wir uns bei den Berufsschule-Partner*innen.